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Die geplante Nutzung

Die geplante Nutzung

Das Nutzungskonzept für den Fünffingerlesturm, das die Außentreppe rechtfertigen soll, hat im vergangenen halben Jahr eine merkwürdige Wandlung vom zunächst öffentlichen Museum hin zum nichtöffentlichen Raum für kleine kulturelle Veranstaltungen durchgemacht. Hier ist der Versuch einer chronologischen Auflistung.


Museum - Infopoint - Öffentlich

  • Am 10. Mai 2007 legte die altaugsburggesellschaft ein Nutzungskonzept vor, das auch Grundlage für den Bauantrag war. Es lautet:

"Die altaugsburggesellschaft wird den Turm für folgende Nutzung öffentlich zugänglich machen:

  1. Museale Nutzung
  2. Behutsame Nutzung in Zusammenarbeit mit der Regio Augsburg 1) für
    • Stadtführungen
    • Lesungen
    • Kleinere Veranstaltungen im Turm"

(Quelle: Antwort des Immobilien- und Baumanagements der Stadt Augsburg auf die Fragen im Dringlichkeitsantrag von PRO AUGSBURG; 26. September 2007)

  • Am 16. Juli 2007 zitiert die Augsburger Allgemeine Zeitung Frau Anne Voit von der altaugsburggesellschaft so:

"Der Turm, der früher in die äußere Stadtmauer eingebunden war, soll musealer Mittelpunkt für das Großprojekt 'Wallanlagen', zumindest aber ein 'Info-Point' werden".

(Quelle: Augsburger Allgemeine Zeitung)

  • Auf der Seite der altaugsburggesellschaft ist mindestens seit 8. August 2007 und bis heute, den 13. Oktober 2007, zu lesen:

"Der Fünffingerlesturm wird das museale Zentrum für das Zukunftsprojekt Augsburger Wallanlagen".

(Quelle: altaugsburggesellschaft)

  • Am 31. Juli 2007 teilt die Stadt Augsburg mit,

es solle "der Turm durch eine modern angelegte äußere Treppenanlage besichtigt werden können"

und weiter: "Auch die Regio Augsburg 1) sieht darin eine hervorragende Möglichkeit die Reste der Stadtbefestigungen bei Führungen deutlich zu machen".

(Quelle: Stadt Augsburg)

  • Am 13. August 2007 war in der Augsburger Allgemeinen Zeitung zur Zukunft des Turms zu lesen:

"Die Stadt will ihr Eigentum nutzen, um es der Öffentlichkeit zugänglich zu machen (Museum). Dafür bedient Sie sich des Engagements der Alt-Augsburg-Gesellschaft".

(Quelle: "Kontroverse Diskussion um einen Umbau", via PRO AUGSBURG Presseseite lesbar)

  • Am 26. September schreibt die Augsburger Allgemeine Zeitung noch:

"Als kleines Museum soll der Turm später genutzt werden, sagt Anne Voit, Vorsitzende der Alt-Augsburg-Gesellschaft".

(Quelle: Augsburger Allgemeine Zeitung)


Museum ade - nicht öffentlich - Vermarktung ?

Die museale Nutzung scheint jedoch spätestens am 26. September ad acta gelegt worden zu sein. Einem Dokument des Immobilien- und Baumanagements der Stadt Augsburg ist folgender Wortlaut zu entnehmen:

"Im Mietvertrag mit Sanierungsvereinbarung vom 26. September 2007 ist die Nutzung wie folgt vorgegeben:

  • Erhaltung und Zugänglichmachung des historischen Bauwerks
  • Abhaltung kultureller und mit dem Bauwerk verträglicher Veranstaltungen"

und weiter: "... Nach Angaben der altaugsburggesellschaft ist ein eigenständiges Museum über die Augsburger Wallanlagen im Fünfgratturm nicht vorgesehen. ..."

(aus der Antwort des Immobilien- und Baumanagements der Stadt Augsburg vom 26. September 2007 auf die Frage nach dem Nutzungskonzept der aag im Dringlichkeitsantrag von PRO AUGSBURG)

Wie sich die von Anfang an beteiligte Regio Augsburg 1) solche Veranstaltungen wohl vorgestellt hat, zeigt die Episode "Tischlein deck dich". Der gleichnamige Partyservice aus Bobingen hatte von Regio Augsburg den Fünffingerlesturm als bewirtbaren Event-Ort genannt bekommen, einschließlich Ansprechpartner, und diese Information in sein "Speiseblatt" aufgenommen:

"Sie tagen oder feiern mit 20 - 800 Personen? Und suchen repräsentative, aus-
gefallene, rustikale oder moderne Räumlichkeiten?
...
Regio Augsburg
...
Fünffingerlesturm am Oblatterwall: Alt-Augsburg Gesellschaft
Telefon 0821-511 701
"

(Quelle: Speiseblatt Tischlein deck dich, Seite 12, pdf 302 kB)

Nach Auskunft von Frau Voit von der altaugsburggesellschaft sei hierdurch der falsche Eindruck entstanden, der Turm würde für Events vermietet. Der Party-Service sei abgemahnt worden. Jedenfalls ist der Fünffingerlesturm seit dem 9. Oktober 2007 wieder von der Internetseite des Party-Service verschwunden.

Auch unserer Seite wurden unangenehme Schritte angekündigt, sollte keine diesbezügliche Aktualisierung erfolgen. Man solle nicht alles glauben, was im Internet stehe. Genau das tun wir, Frau Voit. Wir glauben nicht mehr an das museale Zentrum für das Zukunftsprojekt Augsburger Wallanlagen, das immer noch auf der Internetseite der altaugsburggesellschaft genannt wird und bitten hiermit um Aktualisierung!

Dass mit der öffentlichen Beendigung der Episode "Tischlein-deck-dich" der Kommerzgedanke ad acta gelegt wurde ist unwahrscheinlich. Auf der Internetseite der altaugsburggesellschaft selbst ist unter "Aktuelle Projekte" immer noch zu lesen:

  • Um Geld für die nötige Sanierung zu sammeln, überlegt die altaugsburggesellschaft sich derzeit sinnvolle Vermarktungsmöglichkeiten, siehe auch aktuelles. Über weitere Ideen aller Art von Ihnen freuen wir uns sehr!


Halbierte Nutzung

In der Diskussionssendung "Zur Sache" auf Augsburg-TV erklärte Frau Voit von der altaugsburggesellschaft erstmals öffentlich, dass nur die Hälfte des Turminneren genutzt werden soll, nämlich das 2. OG mit 18 m² und das 3. OG mit 25 m². Frau Voit wörtlich:

  • "Die unteren Etagen können nicht genutzt werden wegen der Leitern. Die sind eigentlich nur zur Zugänglichmachung zu Restaurierungsarbeiten, die werden erhalten bleiben. Natürlich werden wir die nicht entfernen".

(Quelle: Sendung "Zur Sache" am 21.10.2007; Sendemitschnitt erhältlich bei Augsburg-TV)


Oder gar keine Nutzung ?

Seit 24. Oktober 2007, unserem Termin im Baureferat der Stadt Augsburg, muss das Kapitel Nutzung nochmals völlig neu geschrieben werden. Es gibt derzeit nämlich überhaupt keine genehmigte Nutzung für den Fünffingerlesturm!

Der Turm ist ein Gebäude mit aufgegebener Lagernutzung, also ohne Nutzung. Jede Nutzung wäre baurechtlich genehmigungspflichtig, so steht es unabdingbar in Artikel 62 der Bayerischen Bauordnung. Es wurde aber keine Nutzung beantragt, siehe hierzu unsere ausführliche Seite "Treppe ins Nichts".

Auch ein Mietvertrag mit dem Immobilien- und Baumanagement der Stadt, in dem Nutzungen angegeben sind, ersetzt eine baurechtliche Genehmigung durch das Bauordnungsamt nicht. Ein aufgegebenes Fischfutterlager wird nicht dadurch zu einem Veranstaltungsraum für Dichterlesungen, dass sich Mieter und Vermieter darauf einigen. Genauso wenig wie durch einen bloßen Mietvertrag aus einer Lagerhalle eine Arztpraxis wird.


Maximal eine Viertelnutzung

Am 6. November 2007 hat das Bauordnungsamt der Stadt Augsburg unsere Zweifel an der öffentlichen Nutzbarkeit des Turmwächterstübchens im 3. OG bestätigt:

Die historische Wendeltreppe vom 2. OG ins 3. OG ist nicht verkehrssicher, eine Ausnahme kann nicht zugelassen werden.

Die Wendeltreppe darf auch nicht verändert oder durch eine andere ersetzt werden. Das hat Frau Voit in der Sendung "Zur Sache" am 21.10.2007 auf Augsburg-TV bestätigt: "Der Denkmalschutz, Dr. Zeune, und der Denkmalschutz, Dr. Weis, haben ausdrücklich darauf verwiesen, dass dieser Turm nicht verändert werden darf, also die Bausubstanz, die historische."

Damit ist klar: es ist maximal eine weitere Ebene des Turms (neben dem auch ohne Außentreppe zugänglichen EG) öffentlich nutzbar, nämlich nur die, die von der geplanten Außentreppe direkt erreicht werden kann. Diese Ebene hat eine bescheidene Nutzfläche von 18 m².
(siehe auch "Die unerreichbare Turmwächterstube")


Update zur genehmigten Nutzung

Nachdem durch Äußerungen von OB Wengert am 14. Januar 2008 im Stadtrat Irritationen bezüglich der genehmigten Nutzung aufgetreten sind, haben wir beim Baureferenten Dr. Demharter und bei Herrn Schröttle, Leiter des Bauordnungsamtes, nochmals nachgefragt. Die Auskunft vom 20. Februar 2008 war eindeutig: eine Nutzung der oberen Turmgeschosse (ab dem 3. OG) ist nicht genehmigt. Und erschlossen ist allenfalls das EG und das 2. OG.


Das traurige Fazit

  • Vom ursprünglichen Konzept der musealen Nutzung und der Zugänglichmachung für die Öffentlichkeit ist im Mietvertrag nur noch die bloße Zugänglichmachung ohne den Zusatz "öffentlich" sowie die Abhaltung von kulturellen Veranstaltungen geblieben.
  • Wie solche kulturellen Veranstaltungen aussehen könnten, scheint zwischen altaugsburggesellschaft und Regio Augsburg 1) nicht abgestimmt zu sein, wie die Episode "Tischlein deck dich" zeigt.
  • Mit dem Entfall der Nutzung als öffentliches Museum und durch die Tatsache, dass allenfalls die Nutzung einer einzigen zusätzlichen Ebene - somit nur 18 von oben vorhandenen 85 m² - genehmigungsfähig ist, fehlt der Treppe jede Begründung.
  • Der Bau einer neuen Außentreppe ohne eine öffentliche museale Nutzung - weil die künftig am Roten Tor stattfindet - und ohne genehmigungsfähige kulturelle Nutzung des Turms ist wie der Bau eines neuen ICE-Bahnsteigs in Augsburg, obwohl der ICE künftig woanders, nämlich über Ingolstadt fährt.


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1) Die Regio Augsburg Tourismus GmbH ist eine Einrichtung der Stadt Augsburg, des Landkreises Aichach-Friedberg und des Landkreises Augsburg und informiert u.a. zu gastronomischen Angeboten, Incentives und Veranstaltungen.