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Infoabend Kresslesmühle Nachlese

Nachlese

zu unserem Informationsabend in der Kresslesmühle
am 15. Januar 2008 um 19 Uhr

Am 15. Januar hatten wir die Augsburger Bürger zu einem Informationsabend zum Fünffingerlesturm in die Kresslesmühle eingeladen.

Der Saal war mit gut drei Viertel belegter Plätze angenehm gefüllt und blieb es bis zum Ende. Auch die Stadträte Rose-Marie Kranzfelder-Poth (FDP), Dieter Ferdinand und Reiner Erben (Grüne), Rainer Schaal (CSU), Rainer Schönberg (Freie Wähler) und Beate Schabert-Zeidler (Pro Augsburg) hatten den Weg zu uns gefunden. Stadtheimatpfleger Prof. Hilbich war ebenfalls unter den Gästen und brachte sich in die Diskussion ein.

Mit echt handgemachtem Jazz wurden die Gäste von 'Eka und Band' begrüßt und eingestimmt, bevor Siegfried Zagler gegen halb acht Uhr das Wort ergriff und den harten Kern unserer Bürgerinitiative vorstellte. Evi Hannen, Mitgründerin der Initiative, eröffnete dann mit einer ausführlichen Chronologie der Ereignisse den informationellen Teil des Abends.

Eindrucksvoll schilderte Siegfried Zagler anschließend den emotionalen Bezug der Augsburger zu ihrem Fünffingerlesturm, das Beschauliche, Zweckfreie, Verschlafene, Rätselhafte und Psychotopische und ließ damit den Zuhörern Schauer über den Rücken laufen.

Danach bediente Kunsthistoriker Dr. Schlee als Gastredner das Klischee des liebenswert schnurrigen Wissenschaftlers, der - mit einem antiken Diaprojektor ringend - ein mittelalterliches Nutzungsgemälde des Turms als ursprünglich offener Schalenturm mit Tor zum Zweck des Viehtränkens und den später zu Gefängniszwecken eingezogenen Gewölben zeichnete.

Architekt Bruno Stubenrauch knüpfte mit einem eher sachlichen Vortrag zum lückenhaften und leichtfertig durchgeführten Bauantragsverfahren an. Er wies nach, dass die Nutzung des Turmstübchens wegen der nicht verkehrssicheren alten Wendeltreppe mehr als fraglich ist und die im aktuellen Bericht der Verwaltung behaupteten Kosten erbrachter Bauleistungen weit überzogen sind. Nicht verkneifen konnte er sich Seitenhiebe gegen den OB, für den kulturelle Nutzung ist, wenn sich drei aag-ler in den Turm setzen und über Kultur sprechen, sowie gegen den Denkmalschutz, der die Außentreppe auch bei einer Turmnutzung als Bordell genehmigt hätte. Dafür handelte er sich den verbal erhobenen Zeigefinger von Stadtheimatpfleger Prof. Hilbich ein.

Peter Grab, OB-Kandidat von Pro Augsburg, eröffnete anschließend den politischen Teil. Er schilderte sein Engagement für die Bürgerinitiative und kritisierte, ebenso wie anschließend Rose-Marie Kranzfelder-Poth (FDP), heftig den Umgang der Regenbogen-Politik mit dem Bürger. Dieser würde in Augsburg als zweitklassig und undemokratisch abqualifiziert. Außerdem würden ernsthafte Bürgeranliegen nicht auf sachlicher Ebene im Dialog, sondern mit juristischen Winkelzügen gekontert.

Dieter Ferdinand (Grüne) schilderte seine Sicht der Dinge aus der Position eines Bauauschuss-Mitglieds. Die behaupteten Kosten schon erbrachter Bauleistungen hielt er für zu hoch und sicherte eine Prüfung zu.

In einem angenehm von Zahlen und Juristereien freien Redebeitrag wies Rainer Schaal (CSU) einen Weg aus dem Dilemma: unter Würdigung der bisher in gutem Glauben von der aag erbrachten Leistung und entsprechender Entschädigung einerseits und andererseits der Würdigung des Bürgerwillens, durch 10.000 Unterschriften zum Ausdruck gebracht, sollte es möglich sein, eine Phase des Nachdenkens einzuleiten und die Treppe einvernehmlich zu verhindern.

Rainer Schönberg (Freie Wähler) wies pointiert nach, dass es kaum Schadenersatzansprüche der aag geben wird. Die Baukosten der Treppe seien hierfür nicht relevant, denn diese gehe sowieso ins Eigentum der Stadt über.

Den Glauben an das Menschliche in der Politik gab uns Frau Schabert-Zeidler zurück mit der herzhaft-liebenswerten Schilderung der Gefühle bei ihrer 1:60-Abstimmungsniederlage zum Baustopp am Fünffingerlesturm. Ein traumatisches Erlebnis für eine Richterin, die gewohnt ist, sonst immer recht zu haben.

Die Zuhörer beteiligten sich rege mit vielen Zwischenfragen, die wir hoffentlich erschöpfend beantworten konnten. Gegen 23 Uhr endete der Abend. Für uns mit dem Gefühl,  optimistisch sein zu dürfen.